Das akademische Lesezimmer in Erlangen
In der Universitätsbibliothek Erlangen gab es 1933 eine Handbibliothek mit Nachschlagewerken, wissenschaftlichen Zeitschriften, politischen Tageszeitungen und Belletristik. Das Akademische Lesezimmer sollte der Allgemeinbildung der Studierenden dienen und bot 1933 Anlass für eine Kritikkampagne gegen den damaligen Direktor der Bibliothek. Eugen Stollreither wurde von den Nationalsozialisten vorgeworfen, bereits über einen längeren Zeitraum hinweg sich immer wieder zu weigern, nationalsozialistische Literatur aufzunehmen. Im Lesezimmer gab es eine größere Anzahl Bücher von Schriftsteller:innen, die durch die Nationalsozialisten verfolgt wurden; außerdem lagen etwa 20 linke Zeitungen aus, darunter die Sozialistischen Monatshefte der SPD und der Vorwärts. Es fehlten allerdings unter anderem „Mein Kampf“, dessen Beschaffung sich Eugen Stollreither fünf Jahre lang verweigert hatte. Auch andere nationalsozialistische Literatur und Zeitungen fehlten. Erst im Juni 1933 konnte Stollreither gezwungen werden, eine Nummer des „Völkischen Beobachters“ zu beziehen. Im Vorfeld der Bücherverbrennung in Nürnberg wurden über 120 Bücher und Zeitungen aus dem Akademischen Lesezimmer beschlagnahmt. Sie wurden allerdings nicht verbrannt, sondern der Universitätsbibliothek zur Aufbewahrung weitergereicht und der Benutzung entzogen. Die Studenten nutzten all dies für eine Kampagne gegen Stollreither, waren damit allerdings erfolglos.
