Eine Bibliothekarin im Reich der Bücher
Über eine Bekanntschaft aus ihrem politischen Engagement erhielt Lotte Schwarz das Angebot für eine kleine Stelle in einer Bibliothek. Sie kam aus einer Arbeiter:innenfamilie und war seit jeher politisch aktiv und wissbegierig. Die neue Arbeit im „Reich der Bücher“ veränderte ihr Leben für immer.
„Ich saß hier in der Bibliothek an der Quelle, besonders aber interessierten mich die Schicksale der mutigsten Vorkämpfer der Frauenbewegung“, erzählte Lotte Schwarz später.
Sieben Jahre arbeitete sie als Bibliothekarin und schärfte ihr politisches Bewusstsein. Sie trat der kommunistischen Jugend bei und später der Gruppe „Rote Kämpfer“, die anfangs noch legal und später illegal Flugschriften und Zeitungen herstellte und verteilte. In der Zeit der Bücherverbrennungen schilderte Lotte Schwarz die Bibliothek als arbeitsunfähig, da immer wieder neue Verbotslisten kamen. Dennoch bot die Bibliothek als öffentlicher Raum immer noch die Möglichkeit zum Treffen mit ihren Genoss:innen.
1934, als immer mehr Mitglieder der Roten Kämpfer verhaftet und verfolgt wurden, wurde Lotte Schwarz von einem Kollegen denunziert aufgrund ihrer Treffen in der Bibliothek. Sie verlor ihre Arbeit und schilderte später: „Seit dieser Zeit weiß ich, wessen die ‚unpolitischen’ fähig sind.“ Unterstützt von anderen Mitgliedern der Roten Kämpfer emigrierte sie in die Schweiz, wo sie direkt ihr politisches Engagement fortsetzte. 1936 fuhr sie für einige Wochen zurück nach Hamburg, um dort Unterstützung für emigrierte Genoss:innen zu organisieren.
