Gottlieb Branz
Gottlieb Branz wurde am 13. September 1896 in München geboren und war seit 1912 Mitglied der SPD. Er arbeitete ab 1920 als Bibliothekar in der Münchener Gewerkschaftsbibliothek. Verheiratet war er mit der Sozialdemokratin Lotte Branz.
Nach der Machtübernahme verlor er seine hauptamtlichen Parteifunktionen und versuchte er mit anderen, das Münchener Gewerkschaftshaus und damit auch die darin befindliche Bibliothek, vor dem Zugriff der Nationalsozialisten zu schützen. Einen SA-Mann, der ihn verhaften und Bücher aus dem Sortiment entfernen sollte, verwickelte er so lange in ein Gespräch über Bücher, bis der Lastwagen mit den Inhaftierten bereits abgefahren war. Kurzzeitig entging er der Verhaftung dadurch, aber von Juni bis Oktober 1933 wurde er im KZ Dachau festgehalten. Nach seiner Entlassung arbeitete er als Vertreter für Zigaretten – eine Handlung, die viele Sozialdemokrat:innen wählten, um den Lebensunterhalt zu finanzieren, aber auch Möglichkeiten für unauffällige Treffen zu bieten. Mit seiner Frau Lotte wirkte er ab 1934 als Kurier zwischen München und dem Exilvorstand der SPD in Prag. Das Ehepaar Branz schmuggelte dabei Verfolgte über die Grenze, tauschte aber auch in NS-Deutschland verbotene Literatur aus und schmuggelte sie über die Grenze. In München leitete er eine sozialistische Widerstandsgruppe von „Neu Beginnen“. 1939 wurde Branz wegen illegalem Grenzübertritt verhaftet und bis zur Befreiung im Konzentrationslager Buchenwald festgehalten. Hier musste er als Bibliothekar in der Kommandantenbücherei arbeiten. Nach der Befreiung des Lagers gehörte er im April 1945 zu den Mitverfassern des Schwurs von Buchenwald. Nach Kriegsende kehrte er nach München zurück, wurde wieder Mitglied der SPD und übte verschiedene Mandate und Funktionen aus. Er starb am 26. September 1972 in München.
