Im Gefängnis bekamen wir Politischen die richtigen Bücher
Helmuth Warnke, Mitglied der KPD, kam 1934 zum zweiten Mal in Haft, diesmal in das Gefängnis Fuhlsbüttel in Hamburg. Dort gab es eine Bücherei für die Insassen. Sie konnten sich die Bücher nicht selbst aussuchen, sondern einmal pro Woche wurden diese zugeteilt. Einige Hilfskräfte gaben die Bücher aus. Warnke war als politischer Häftling bekannt; später wurde ihm klar, dass er und andere „Politische“ auch Bücher bekamen, die draußen verboten waren oder verbrannt wurden. Er erinnerte sich später zum Beispiel an „Jettchen Gebert“, einen Roman über eine jüdische kleinbürgerliche Familie oder auch ein Buch voll mit Marx-Zitaten. Mit letzterem machten sie dann im Gefängnis Schulungen und diskutierten in kleinen Runden die Zitate. Im Gefängnis war es meistens so, dass die Hilfskräfte Genossen:innen und Lehrer:innen waren, die soweit sie konnten dafür sorgten, dass „die Politischen die richtigen Bücher bekamen“.
