Mit Kohlesäcken gegen die Bücherverbrennung
Die 1919 durch den Anarchisten Richard Bellmann und seine Frau eröffnete Volksbuchhandlung in der Großen Meißner Straße in Dresden war Schauplatz der (bis heute) ersten bekannten Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933. In den Nachmittagsstunden des 7. März wurde die Tür der Buchhandlung aufgerissen und SA-Leute, mit Pistolen bewaffnet, stürmten die Buchhandlung. Büsten von Lenin und Rosa Luxemburg und Unmengen von Büchern wurden auf die Straße gebracht, mit Benzin übergossen und angezündet. Was aber vorher geschah, davon wussten die SA-Leute nichts. Richard Bellmann wurde scheinbar im Vorfeld gewarnt, durch wen ist leider nicht bekannt. Er schaffte über 3000 Bücher, gut verpackt in 20 Kohlesäcken, aus dem Laden. Die Säcke wurden auf einen LKW geladen und sollten in den Räumen der Dresdener Fleischerinnung versteckt werden. In direkter Nähe zur Buchhandlung, auf dem benachbarten Kaiser-Wilhelm-Platz, dem heutigen Palaisplatz, blieb der LKW plötzlich stehen. So schilderte Richard Bellmann es in späteren Berichten. Er beobachtete wie ein, wohl zur Übung angetretener, SA-Sturm den LKW durch Anschieben wieder in Gang brachte und so unbewusst half, die Bücher vor der Verbrennung zu retten.
