Widerspruch gegen die deutschen Studenten
Die studentische „Aktion wider den undeutschen Geist“ rief mit der Veröffentlichung der 12 Thesen auch Widerspruch hervor. Neben den wenigen öffentlichen Reaktionen und den namentlich unterschriebenen Briefen einiger Schriftsteller:innen erreichten auch anonyme Schreiben die Deutsche Studentenschaft.
OFFENE BRIEFE
Die weniger bekannten, persönlich unterschriebenen Briefe, welche sich kritisch zur „Aktion wider den undeutschen Geist“ äußerten, stammten von Richard Rinke und Max Herrmann. Rinke war Theologiestudent in Berlin und kritisierte besonders die Naivität der Deutschen Studentenschaft. Hierbei bezog er sich besonders auf die antisemitischen Thesen und merkte spöttisch an: „Nur von Pennälern[…], könnte man erwarten, dass sie so wenig vom Judentum wissen, dass sie glauben jeder Jude könne vom Hause aus hebräisch.“ Einen offenen Widerstand, der kein Zurück erlaubte, leistete der jüdische Theaterwissenschaftler Max Herrmann. In einem Brief an das preußische Kultusministerium bat er um seine Beurlaubung, „so lange nämlich, wie in der Universität die von der Deutschen Studentenschaft erlassene Erklärung ‚Wider den undeutschen Geist‘ öffentlich aushängt.“ Max Herrmann wurde auf Grundlage des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ im September 1933 in den Ruhestand versetzt. Er starb 1942 im Konzentrationslager Theresienstadt.
ANONYME BRIEFE
Ein anonymes Schreiben imitierte die 12 Thesen der Deutschen Studentenschaft (Dst.). Es ist adressiert an die Dst. mit dem Hinweis „Aktuelles Plakat für das Vestibül der Universität“. Als Vestibül wurde allgemein der Eingangsbereich direkt hinter den Türen bezeichnet. Den originalen Thesen werden eigene Thesen entgegengesetzt, zum Teil in sehr deutlicher Sprache: »I. Alle antisemitischen Studenten sind Arschlöcher! II. Arschlöcher gehören nicht in die Universität, sondern ins Scheißhaus! III. Antisemitische Studenten sind feige! Sie fürchten die Concurrenz jüdischen Intellekts.«
Ein weiterer Brief ist zwar unterschrieben mit Dr. med. M.C. Well, doch besteht hier die Möglichkeit, dass ein Pseudonym genutzt wird. Der Brief versucht, das Verhalten der Studenten auf eine hämische Art und Weise zu pathologisieren. Im Brief wird auf verschiedene Diagnoseformen Bezug genommen, dabei wird immer hervorgehoben, dass diese von jüdischen Mediziner:innen stammen. Am Ende wird auf den Spruch „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ Bezug genommen und deutlich geschrieben: „An einer solchen ‚Genesung‘ ist der Welt nichts gelegen.“
