Alexander Graf Stenbock-Fermor
Alexander Graf Stenbock-Fermor wurde am 30. Januar 1902 im Schloss Nitau (Riga) geboren. Er stammte aus einer baltischen Adelsfamilie und war zunächst Freiwilliger der Baltischen Landeswehr und kämpfte gegen die russische Revolution. 1920 floh er nach Deutschland und begann dort ein Ingenieurstudium, welches er kurz darauf abbrach und als Bergarbeiter im Ruhrgebiet arbeitete. Darüber lernte er Kommunist:innen kennen und wurde politisch geprägt. Er betätigte sich fortan in der kommunistischen Partei und nach dessen Gründung in der Roten Hilfe. Nach einer Ausbildung zum Buchhändler in Hamburg arbeitete bis 1929 in einem Verlagshaus in Jena.
Er heiratete 1929 Charlotte Schledt und arbeitete fortan als freier Schriftsteller und Autor von Filmen und Hörspielen in Berlin. Außerdem wurde er Mitglied im Schutzverband deutscher Schriftsteller und im Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller (BPRS). Von 1931 bis 1933 gehörte er dem Aufbruch-Kreis um Beppo Römer an. Ende 1932 zog er offiziell aus Berlin weg und reiste durch Europa. Ende Februar 1933 kehrte er nach Berlin zurück und fand zunächst Unterschlupf in der Wohnung des bereits in die Schweiz geflohenen Schriftstellers Heinrich Kurella in der linkspolitisch geprägten Künstlerkolonie am Laubenheimer Platz in Berlin-Wilmersdorf. Einer Verhaftung im Zuge der Razzia in der Künstlerkolonie Mitte März 1933 konnte er entgehen, weil ihn die Hauswirtin schützte. Ende April 1933 floh er vor drohender Verhaftung aus Berlin nach Jena, wo er Unterschlupf bei Freund:innen fand und Augenzeuge der Jenaer Bücherverbrennung wurde. Kurz darauf wurde er in Jena verhaftet und bis Mitte Dezember 1933 inhaftiert. Nach seiner Entlassung ging er zunächst nach Hamburg und lebte später wieder in Berlin, in einer Wohnung am Laubenheimer Platz. Hier traf er Ende Juni 1940 Beppo Römer zufällig wieder, beim Schwimmen im Schwimmbad am Olympiastadion. Über einen Bekannten lernte er den Schriftsteller Willy Sachse kennen, der eine Widerstandsgruppe im Norden Berlin gegründet hatte. In Stenbock-Fermors Wohnung fand das erste Aufeinandertreffen von Beppo Römer und Willy Sachse statt, bei dem auch Ludwig Renn dabei war. Daraus entstand die Widerstandsgruppe Revolutionäre Arbeiter und Soldaten (RAS), die aus wenigen Mitgliedern bestand und illegale Schriften, darunter die militärpolitische Schrift „Der Informationsdienst“ herstellte und verbreitete. Die Treffen fanden in verschiedenen Wohnungen in der Künstlerkolonie statt. 1941 entfernte sich Stenbock-Fermor von der Gruppe wegen unterschiedlicher Auffassungen zur Gruppengröße. Beppo Römer strebte eine Massenbasis an und knüpfte dazu Kontakte zu verschiedenen Widerstandskreisen, darunter zum Robert-Uhrig-Kreis. Doch in dieser Gruppe befand sich ein Spitzel. Ein Großteil der Gruppen wurde Anfang Februar 1942 verhaftet, darunter auch Beppo Römer und Willy Sachse. Sie verrieten Stenbock-Fermor nicht, der dadurch überleben konnte. Bis Kriegsende lebte er mit seiner zweiten Ehefrau in Mecklenburg bei seiner Familie. Im November und Dezember 1945 war er Oberbürgermeister von Neustrelitz. Später arbeitete er wieder als Redakteur und Drehbuchautor und lebte in Wilmersdorf. Er starb 8. Mai 1972 in Berlin.
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