Der Morgen danach

From zfuf

Was geschah im Anschluss an die Verbrennungen? Nur wenige Überlieferungen werfen einen Blick auf den Morgen oder die Stunden nach dem Scheiterhaufen. Oft blieb ein Berg Asche zurück und viele Bücherverbrennungen fanden an belebten Plätzen mitten in der Stadt statt. So auch die bekannteste Verbrennung auf dem Opernplatz, dem heutigen Bebelplatz, in Berlin. Auch hier gibt es nur ein paar vage Berichte über Souvenirjäger am Scheiterhaufen. Hans Graeber war am Morgen nach der Tat auf dem Opernplatz und nahm ein paar verkohlte Seiten aus den Resten des Scheiterhaufens an sich, aus welcher Motivation heraus ist nicht bekannt. Außerdem machte er ein Foto von seiner Frau vor dem Ascheberg. Am 11. Mai 1946 bekam der Schriftsteller Erich Kästner einen Brief von ebenjenem Hans Graeber. Der Brief enthielt ein Anschreiben, das Foto welches Hans Graeber von seiner Frau vor dem Aschehaufen machte und mehrere Seiten aus einem Tagebuch von Magnus Hirschfeld. Das von Hirschfeld geleitete Institut für Sexualwissenschaft war wenige Tage vor der Bücherverbrennung von den Nationalsozialisten geplündert und zerstört worden und ein Großteil der „erbeuteten“ Bücher wurde auf dem Opernplatz am 10. Mai 1933 verbrannt. Magnus Hirschfeld und sein Institut waren Vordenker im Bereich der nichtbinären Sexualwissenschaft. Hans Graeber rettete eine der wenigen handschriftlichen Überlieferungen von Hirschfeld, die bis heute erhalten sind. Seine Fotografie ist außerdem eines der seltenen Dokumente, die den „Tag danach“ zeigen. Auf dem Foto sind, neben anderen Personen, im Hintergrund Menschen zu erkennen, die sich am Aschehaufen zu schaffen machen – möglicherweise um, ebenso wie Hans Graeber, Bücher zu retten. Erich Kästner ist einer der wenigen Schriftsteller:innen, die der Verbrennung ihrer eigenen Bücher beiwohnten. Er nahm dies zum Anlass, nach dem Krieg sich immer wieder warnend und mahnend zu den Bücherverbrennungen zu äußern. Auch die Schriftstellerin Elfriede Brüning war bei der Bücherverbrennung am Opernplatz anwesend. Sie betätigte sich im Bund proletarischer Schriftsteller und beschrieb in ihren Erinnerungen, dass das Ereignis am Opernplatz bedeutend für die weitere Betätigung im Bund proletarischer Schriftsteller war.