Die Bibliothekarin von Auschwitz
Eine der bekanntesten Geschichten im Zusammenhang mit Bibliotheken und Konzentrationslagern ist die Geschichte von Dita Kraus. Basierend auf ihren Erlebnissen entstand der fiktionale Roman „Die Bibliothekarin von Auschwitz“ und die gleichnamige Graphic Novel. Tatsächlich war Dita Kraus nicht im klassischen Sinne eine Bibliothekarin. In Auschwitz gab es keine Häftlingsbibliothek. Was es in Auschwitz gab, waren Kinder. Fredy Hirsch, ein deutscher Jude und Funktionär der jüdischen Pfadfinderbewegung, engagierte sich ab 1943 in Auschwitz für den Block 31, den Kinderblock. Er erreichte dort etwas bessere Ernährungs- und Hygienebedingungen. Der Block hatte keine Betten, sondern diente unter Fredy Hirsch als „Schule“ und „Kindertagesstätte“ im Lager. Offiziell standen die Aktivitäten unter der Aufsicht der SS und dienten natürlich der Lehre der deutschen Kultur, doch fanden auch Theateraufführungen und klandestine Schulungen statt. Die wenigen Bücher im Block 31 wurden von Dita Kraus verwahrt und bewacht. Sie war dafür verantwortlich, sie jeden Abend einzusammeln und an Fredy Hirsch zu übergeben. Fredy Hirsch und Dita Kraus schafften eine kurze Erholung für die Kinder im Auschwitzer Familienlager. „We were the only camp with children, it was all families. Fredy Hirsch ran the children’s block, so I was able to work in the block and was responsible for a few books“, erinnerte sich Dita Kraus später.
