Häftlingsbibliotheken in Buchenwald und Dachau

Aus zfuf
Wechseln zu:Navigation, Suche

Bibliotheken in Konzentrationslagern - dies scheint an Absurdität kaum zu überbieten. Aber trotz der unmenschlichen Bedingungen gab es sie. In Dachau und Buchenwald sind von diesen Bibliotheken am meisten Dokumente und Erinnerungen erhalten. Aber nicht alle Häftlinge hatten Zugang. Ab 1942 war jüdischen Häftlingen der Zugang zu den Bibliotheken generell verboten. Die Bibliotheken boten den Menschen kurze und seltene Momente der geistigen Freiheit und Würde. „Ich habe jetzt des großen Italieners Dante Komödie begonnen. Eine schwere, aber genußreiche Lektüre. Erinnerst Du Dich, wo ich dieses herrliche Werk schon einmal begonnen habe? In Santa Margherita, am sonnigen Mittelmeer, wo wir beide so schöne, unvergeßliche Tage verbringen konnten!“ schrieb der KPD-Reichstagsabgeordnete Walter Stoecker aus Buchenwald an seine Frau. Die Bibliotheken waren aber nicht nur Orte der Belletristik, sondern auch des politischen Widerstands. Welche Bücher in die Bibliotheken kamen, entschied eigentlich die SS. „Verbotene“ Texte wurden aber an ihr vorbei geschmuggelt. So gelangten auch Bücher ins Lager, die draußen in der „Freiheit“ des NS-Reichs kaum noch zugänglich waren. Dazu gehörten Titel von Erich Kästner oder Robert Musil und einigen weiteren Autor:innen, die im Nationalsozialismus auf dem Index standen. Viele der politischen Titel wurden für „Weiterbildungen“, Diskussionen und kulturelle Abende unter den Häftlingen genutzt. Ab 1942, als noch dringender medizinisches Personal gebraucht wurde, dienten die Bibliotheken mit ihrem umfangreichen Bestand als wichtige Lernorte für diesen Bereich. Die Bibliothek in Dachau diente unter der Leitung von Kurt Schumacher auch als Anlaufstelle für den sozialdemokratischen Widerstand im KZ.

… weitere Daten zur Seite „Häftlingsbibliotheken in Buchenwald und Dachau“
Verbundene PersonenA person known by this person (indicating some level of reciprocated interaction between the parties).