Helene Nathan
Helene Nathan wurde am 23. August 1885 in Oels, Niederschlesien (heute Polen) geboren. Sie absolvierte ihre Ausbildung zur Bibliothekarin in Leipzig unter Walter Hoffmann in Leipzig. Ihre Promotion hatte sie 1911 in Bern abgeschlossen. Am 21. Juli 1921 übernahm sie als eine der ersten Frauen die Leitung der Volksbücherei Berlin-Neukölln. Die aktive Sozialdemokratin und Reformpädagogin fasste die Bibliotheksarbeit als Gemeinwesen- und Bildungsarbeit auf und wollte die Bücherei für alle Bevölkerungsgruppen zugänglich machen. Unter ihrer Leitung entwickelte sich die Bücherei im Arbeiterbezirk Neukölln zu einer Ausbildungsbibliothek. Sie ermöglichte u.a. Elli Fuchs die Ausbildung zur Bibliothekarin. Die Bibliotheksbestände wurden maßgeblich erweitert und Zweigstellen eingerichtet. Besonders engagierte sich Nathan für die Jugendbibliotheksarbeit. 1930 initiierte sie einen Schulstreik in Neukölln
Nach der Machtübernahme wurde Helene Nathan wegen ihres politischen Engagements und wahlweise, weil sie Jüdin war, zunächst beurlaubt. Von den neuen Machthabern wurde ihr vorgeworfen, weiterhin marxistische Literatur in der Bibliothek anzubieten. Gegen ihre Entlassung protestierte Nathan, Unterstützung von Kolleg:innen oder vom Berufsverband, in dessen Vorstand sie aktiv gewesen ist, erhielt sie nicht. Im 1933-08August 1933 wurde sie endgültig entlassen. Von 1935 bis 1937 arbeitete sie in einer jüdischen Buchhandlung. Sie versuchte, nach Großbritannien zu fliehen, doch dies scheiterte am Beginn des 2. Weltkrieges. Wegen ihrer Ausweglosen Lage nahm sie sich am 23. Oktober 1940 in Berlin das Leben.
