Interner Streit

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Warum in Jena am 10. Mai 1933 keine Bücherverbrennung stattfand, sondern erst im August 1933, verrät der Geschäftsbericht der Jenaer Studentenschaft für den Zeitraum vom 30. Januar 1933 bis zum 15. Februar 1935. Er zeichnet für das Frühjahr 1933 das Bild einer deutlich angespannten Stimmung in der Studentenschaft. Am 16. Februar 1933 fanden zum letzten Mal Wahlen zum AStA, dem Studentenausschuss, wie er vor 1933 bestanden hatte, statt. Bei diesen Wahlen verbündeten sich die Korporationen mit der Sozialistischen Einheitsliste, um in der konstituierenden Sitzung zu verhindern, dass ein Vertreter des nationalsozialistischen Studentenbundes die Leitung dieses Gremiums übernahm. Allerdings hatte ein Vertreter des Bundes bereits vor der Sitzung die notwendigen Vollmachten der Regierung erhalten. Im erwähnten Geschäftsbericht wird aufgrund dieser Stimmungslage festgestellt, dass „die Arbeit der Studentenschaft zuerst einmal dahin gehen mußte, in den eigenen Reihen für Zuverlässigkeit und Sauberkeit zu sorgen.“ Es liegt also nahe, dass im Frühjahr 1933 der Einfluss der Nationalsozialisten in der Studentenschaft noch nicht groß genug war, um eine Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 durchzuführen. Nichtsdestotrotz veröffentlichte die Zeitschrift der Jenaer Studentenschaft im Mai die „Schwarzen Listen“ aus Berlin, auf denen auch Schriftsteller:innen aus der eigenen Stadt und von der eigenen Universität standen. Anna Siemsen zum Beispiel war bereits im Dezember 1932 wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ entlassen worden, weil sie eine Petition zugunsten des von den Nationalsozialisten verhassten Heidelberger Professors Emil Julius Gumbel unterschrieben hatte. Siemsen und Gumbel gehörten beide 1933 zu den Unterzeichner:innen des „Dringenden Appells“. Auch mit Rahel Sanzara und Kurt Kläber standen weitere Jenaer Schriftsteller:innen auf der „Schwarzen Liste“.

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