Parteiarchive im Visier

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VON DER PARTEIZENTRALE ZUM FRÜHEN KONZENTRATIONSLAGER In den Monaten nach der Machtübernahme wurden vor allem die politischen Gegner:innen der Nationalsozialisten verfolgt und ihre Zentralen von SA und NSDAP-Mitgliedern besetzt. Die Kommunistische Partei Deutschlands gehörte zu den ersten, gegen die die Nationalsozialisten vorgingen. Ende Februar 1933 besetzte die SA das Karl-Liebknecht-Haus in Berlin, die Parteizentrale der KPD. Dort befand sich auch die Parteibibliothek mit dem Parteiarchiv, die den Namen ihrer Finanzierin Mentona Moser trug. Wenig später wurde das Gebäude als Haftort für politische Gegner:innen genutzt und entwickelte sich zu einem frühen Konzentrationslager. Erich Kuttner verriet alle Verstecke im Gebäude und war häufig bei Verhören und Folterungen seiner ehemaligen Genoss:innen anwesend. Angesichts des drohenden Zugriffs versuchte der Leiter der Parteibibliothek und des Archivs, der ehemalige Reichstagsabgeordnete Otto Franke, zumindest einen Teil der Bestände zu retten. Dokumente und Unterlagen brachte er in verschiedene Verstecke, darunter in sein Wohnhaus im brandenburgischen Niederlehme. Die Rettungsaktion blieb jedoch erfolglos. Da Franke als Kommunist bekannt war, wurde auch sein Haus durchsucht. Die dort versteckten Bestände wurden entdeckt und von der Polizei beschlagnahmt. Otto Franke wurde Ende Juli 1933 verhaftet und in mehrere Konzentrationslager inhaftiert. Nach seiner Entlassung 1935 nahm Franke wieder Kontakt zu Kommunist:innen auf und floh Ende der 1930er Jahre nach London.

DER NACHLASS VON MARX UND ENGELS AUF FLUCHT DURCH EUROPA Schon am Ende der Weimarer Republik suchte die SPD nach Möglichkeiten und Wegen, die Bestände ihrer Bibliothek und ihres Archivs vor dem Zugriff der Nationalsozialisten zu schützen. Zu den wertvollsten Teilen des Parteiarchivs gehörte der Nachlass von Karl Marx und Friedrich Engels mit Manuskripten, persönlichen Dokumenten und Korrespondenzen. Nach dem Verbot der SPD im Juni 1933 wurde auch die Parteibibliothek zerschlagen und ein Großteil der Bücher beschlagnahmt. Ein Teil der Bestände wurde an wissenschaftliche Bibliotheken verteilt, andere Schriften wurden vernichtet. Der Nachlass von Marx und Engels konnte jedoch gerettet werden. Mit Unterstützung der französischen Botschaft gelangten Teile der Dokumente über die diplomatische Post nach Frankreich. Weitere Unterlagen wurden ab März 1933 versteckt, zunächst in Berlin in der Werkstatt eines Sozialdemokraten und später durch Vermittlung von Gerhard Breitscheid im Antiquariat des jüdischen Schriftstellers Gerhard Salomon (Pseudonym Hans Roger Madol). Auch dort waren sie nicht langfristig sicher. Nach Breitscheids Flucht nach Dänemark knüpfte er Kontakte zu sozialdemokratischen dänisch-deutschen Widerstandskreisen und organisierte die geheime Überführung weiterer Teile des Nachlasses. Versteckt in versiegelten Koffern, Rucksäcken und per Faltboot, gelangten sie nach Kopenhagen. Unterstützung erhielt er dabei unter anderem vom späteren dänischen sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Hans Hedtoft sowie von den sozialdemokratischen Politikern Ernst Hamburger und Karl Raloff, der die Dokumente in Kopenhagen im Auftrag des Exilvorstandes der SPD ordnete. Über Hedtoft entstanden Kontakte zu zwei jungen dänisch-deutschen Sozialdemokraten, die sich aufgrund ihrer guten Deutschkenntnisse eigneten, sich unbemerkt in Deutschland zu bewegen. Noch 1933 fuhr einer von ihnen, Carl Uffe Andersen, das erste Mal als Kurier nach Berlin und nahm dort zwei Koffer mit Manuskripten an sich, um sie nach Dänemark zu schmuggeln. Weitere Kurierreisen folgten. Geholfen hatte auch erneut Gerhard Salomon: 1929 hatte der Schulfreund Breitscheids ein Haus auf der dänischen Insel Fünen gekauft, das von 1933 bis 1936 sowohl „Zwei Koffer“ des Marx-Engels-Nachlasses beherbergte, als auch deutschen Flüchtlingen Quartier bei ihrer Weiterreise bot. In Kopenhagen wurden die Dokumente schließlich in der dänischen Arbeiterbank in Sicherheit gebracht. Im Krieg wurden Teile der Dokumente nach Stockholm gebracht. Dort wurden sie 1969 in einem Keller gefunden, zusammen mit anderen Teilen des SPD-Archivs.


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Februar 1933 +  und Juni 1933 +