Protest der Bibliothekare

Aus zfuf
Wechseln zu:Navigation, Suche

Fast einen Monat nach den studentischen Bücherverbrennungen kam es in Darmstadt zu einem besonderen Vorfall. Am 9. Juni 1933 fand im Festsaal der TH Darmstadt die 29. Jahrestagung des Vereins wissenschaftlicher Bibliothekare statt. Auf dieser kam es zu einigen bemerkenswerten Reden, über die auch in der Presse umfassend berichtet wurde. Bereits in der Rede des Vorsitzenden Alfred Hilsenbeck, des Direktors der Universitätsbibliothek München, trat ein deutlich sarkastischer Tonfall zutage, als er die Aktionen der Studenten kritisierte. Mit Blick auf den Platzmangel in den Universitäten sagte er: „Zwar hat die studentische Jugend in unseren Tagen eine Eisenbartkur entdeckt und hat manche Bücher einem raschen Flammentod übergeben, aber es ist doch zweifelhaft, ob sich durch einen Ausbau dieses Systems die Raumschwierigkeiten der Bibliotheken beheben lassen.“ Es folgten noch ein paar anbiedernde Floskeln zur Abwehr politischer Angriffe auf den Berufsstand, aber die Distanzierung von den Studenten war deutlich. Noch deutlicher wurde allerdings Ministerpräsident Werner, selbst überzeugter Nationalsozialist, der zunächst dem „Geistigen“ attestierte, es unterstehe „eigenen geistigen Gesetzen“, und daraus ableitete: „Aus diesem Grund ist es unmöglich, in das Geistesleben einzugreifen, und man muss den Eingriffen, die dem Barbarismus nahekommen, entgegentreten. […] Man kann nicht dulden, dass der Bestand wissenschaftlicher Bibliotheken angegriffen wird […]“ Die Rede sei „mehrfach von spontaner Zustimmung begleitet“ worden, schrieb das Tagblatt in einem Artikel.

… weitere Daten zur Seite „Protest der Bibliothekare“
9. Juni 1933 +
Stichwort„Stichwort <span style="font-size:small;">(Keyword)</span>“ ist ein Datentyp, der einen in seiner maximalen Zeichenlänge beschränkten Text normalisiert. Es ist zudem ein softwareseitig fest definiertes Attribut. Es wird von Semantic MediaWiki zur Verfügung gestellt.
Bücherverbrennung +