Rettung des Nachlasses von Erich Mühsam
Der anarchistische Schriftsteller Erich Mühsam wurde nach dem Reichstagsbrand Ende Februar 1933 in Berlin verhaftet. Auch seine in seinem Wohnhaus befindliche Bibliothek wurde im März 1933 von den Nationalsozialisten beschlagnahmt. Zurück blieb ein Teil seines Nachlasses, darunter seine Tagebücher. Seine Ehefrau und politische Weggefährtin Zenzl Mühsam versteckte den Mühsam-Nachlass bei Nachbarn: einen Teil bei Adolf und Lena Reichle sowie deren Sohn Kurt Gossweiler im Nebenhaus und den anderen bei Margarete und Stanislaw Kubicki. Da auch bei den Nachbarn Hausdurchsuchungen drohten, wurden beide bei einem Freund von engen Freunden, Milly Witkop und Rudolf Rocker, versteckt. Wegen drohender Verhaftung floh Zenzl Mühsam 1934 nach Prag. Den Nachlass ihres Mannes ließ sie, als Diplomatengepäck getarnt, nach Prag nachholen, um seine Werke zu veröffentlichen. Nach ihrer Flucht nach Moskau versteckte sie noch unveröffentlichte Werke bei ihrer Freundin Ruth Oesterreich in Prag.
