Sammlungen
Möglicherweise begann das Sammeln der verbrannten Bücher mit der Eröffnung der Deutschen Freiheitsbibliothek 1934 in Paris. Diese Bibliothek ging bei der Besetzung von Paris durch die Nationalsozialisten verloren. In der Nachkriegszeit nahmen sich Privatpersonen aus unterschiedlichen Gründen dieser Aufgabe an. George Warburg beispielsweise emigrierte bereits 1934 mit seiner Familie nach England. Er stammte aus einer alten deutsch-jüdischen Bankiersfamilie und arbeitete im Bankwesen. Aus familiären Gründen zog er 1970 in die USA und begann nach seinem Ruhestand, Geschichte und Literatur zu studieren. Die ersten Bücher seiner Sammlung waren von Franz Kafka. Er sammelte, um an die verfolgten Autor:innen zu gedenken, gerade auch die unbekannten. Im September 2012 schenkte er seine Sammlung verbrannter Bücher mit Werken von über 350 Autor:innen dem jüdischen Museum in Berlin. Georg P. Salzmann war ein weiterer privater Sammler. Er wurde 1929 geboren und wuchs in nationalsozialistischer Erziehung auf. Im Juni 1945 führte ihn ein amerikanischer Soldat in das befreite Konzentrationslager Buchenwald. Dort sprach Salzmann mit ehemaligen Häftlingen. Dieser Besuch und diese Gespräche stellten sein Weltbild auf den Kopf. Anschließend besuchte er in Weimar eine Buchhandlung, deren Inhaber die Bücher verfolgter Autor:innen versteckt hatten. Er nahm einen Roman von Lion Feuchtwanger mit. Nach dem Krieg arbeitete Salzmann als Finanzkaufmann, die ganze Zeit beschäftigten ihn die Bücher verfolgter Autor:innen. Richtig zu sammeln begann er Ende der 1970er Jahre. Ab da wuchs seine Sammlung schnell auf über 1000 Bände. Er durchforstete Flohmärkte und Antiquariate in ganz Europa. Lange wurde seine Sammlung von Fachleuten nicht wahrgenommen. Heute steht sie mit über 8000 Titeln in der Universitätsbibliothek Augsburg. Die Bücher können dort genutzt und in die Hand genommen werden. Leihgaben aus der Sammlung befinden sich im NS-Dokumentationszentrum München und in der Bibliothek des Gedenkprojektes Verbrannte Orte. Eine digitale Bibliothek der verbrannten Bücher legt seit einigen Jahren das Moses Mendelssohn Zentrum in Potsdam an. Über 150 Bücher, die 1933 von den Nationalsozialisten verbrannt wurden, sind mittlerweile online zugänglich.
