Widerstand in Breslau
Walter Tausk erlebte die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 in Breslau. Er stammte aus einer jüdischen Familie und betätigte sich in seiner Freizeit als Schriftsteller. Akribisch zeichnete er die politischen und alltäglichen Ereignisse in seiner Heimatstadt auf. Darunter die Ereignisse 1933, als am 10. Mai auch in Breslau eine Bücherverbrennung durch die Deutsche Studentenschaft stattfand. In den Tagen vor der Verbrennung schildert Tausk in seinem Tagebuch bereits die Gleichschaltung der Universitäten und die Entlassung von Lehrenden. Am 4. Mai notiert er, dass an den „Anschlagsäulen rote Plakate, aus deren Mitte rausknallt: Öffentliche Verbrennung“ kleben. Er schildert das Plakat und den Aufruf an die Bevölkerung, ihre Bücher abzugeben. Am 7. Mai fügte er dem Eintrag eine Notiz hinzu. Er schildert den Wortlaut des Plakates und wie es „in der Nacht zum 7. Mai 1933 mit kleinen gelben Zetteln verziert wurde, auf denen stand: »VERGESST DIE BIBEL NICHT, AUCH SIE IST JÜDISCHES GEISTESGUT!«. Am 10. Mai schildert er, wie er sich im Reichsstudentenwerk selbst die „Schwarze Liste“ holen will und diese ihm umstandslos ausgehändigt wird. Diese Liste fügte er, zusammen mit einem Zeitungsausschnitt der 12 Thesen, seinem Tagebuch hinzu. Walter Tausk wurde am 25. November 1941 deportiert und im Ghetto von Kowno ermordet.
