Wir waren zu unpolitisch
Kritik und Selbstkritik verbinden die Äußerungen von Arnold Zweig. Schon kurz vor den Reichstagswahlen am 31. Juli 1932 beschrieb er in einem offenen Brief für den Manchester Guardian den Charakter der Wahlen. Der Titel des Briefes: „What a Nazi Win Would Mean“. Im Brief schlug er einen Bogen über die Geschichte der Demokratie hin zu einer deutlichen Kritik an den Nationalsozialisten. Seine Worte, in denen er die Zukunft Europas beschrieb, wirken aus heutiger Sicht geradezu prophetisch. Der Brief wurde 1937 übersetzt und in der Neuen Weltbühne erneut veröffentlicht, diesmal unter dem Titel: „Was man schon vorher wußte…“ Ein Jahr später, 1938, zog er selbstkritisch Bilanz. Anlässlich des 25. Jubiläums des Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller ging er mit der eigenen Arbeit ins Gericht. Zweig war 1929 selbst Vorsitzender des Verbandes. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde der Verband gleichgeschaltet. Arnold Zweig beschrieb in seinem Rückblick hart die Fehler der eigenen Arbeit. Er schilderte, wie sie Schriftsteller:innen unterstützten, unabhängig von deren politischer Ausrichtung. 1938 hielt er dies für einen Fehler: „Wir begingen nur einen Fehler: wir waren ausdrücklich unpolitisch und machten keinen Unterschied zwischen rechts und links. […] Oft, in den ersten Jahren nach dem Ausbruch der Hitlerei, fragte ich mich, ob das nicht Selbstmord gewesen sei. Ob wir nicht verpflichtet gewesen wären, die ökonomischen Mittel, die uns aus dem Geiste der Demokratie ein […] Staat zur Verfügung stellte, nur zur Sicherung dieses Staates zu verwenden. Immer wieder sage ich mir: Ja, wir waren Esel ...“
