Ein geheimer Treffpunkt
Nach der Machtübernahme richtete die Sozialdemokratin, ehemalige Bibliotheksleiterin und Lokalpolitikerin Gertrud Klühs mit Unterstützung ihres Mannes im Keller ihres Wohnhauses in Berlin-Tempelhof die „Leihbibliothek Gertrud Klühs“ ein. Was mit den Bücherverbrennungen verloren ging, erfuhren die Klühs am eigenen Leib: So wurde am Berliner Opernplatz ein Werk des Vorwärts-Journalisten Franz Klühs über August Bebel am 10. Mai 1933 verbrannt und das Buch im Nationalsozialismus verboten. Gertrud Klühs nutzte ihre Leihbibliothek vermutlich, um verbotene Literatur aufzubewahren. Die Leihbibliothek diente auch als geheimer Treffpunkt für Sozialdemokrat:innen. 1936 wurde Gertrud Klühs aus der Reichsschrifttumskammer (RSK) ausgeschlossen und ihre Tätigkeit als Leihbibliothekarin untersagt. Trotz Aufsicht der Gestapo betätigte sich Klühs weiterhin gegen den Nationalsozialismus und sammelte Geld für Angehörige von Inhaftierten.
